Kein junger Kollege. Frau Murmann herself.

#Rupperswil. Wie hab ich mich aufgeregt. Bringt das Revolverblatt BLICK am Tag 2 schon den Namen des Täters mit unverpixeltem Bild. Und Wohnhaus. Und Lageplan, wo das Wohhaus steht. Und Hobbies. Und dass er beim Gassigehen mit seinem Hund stets Kopfhörer getragen hat.

Wer um Himmels Willen muss das so genau wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Leser auf diese Informationen wartet. Und doch sagt Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion des Sonntagsblick gestern im #Medienclub auf SRF, es seien die Konsumenten, welche das wollen und schlussamend auch Schuld seien an der Missachtung des Persönlichkeitsschutzes des Täters. Und ganz wichtig: auch des Schutzes seiner Familie. Prima rausgeredet.

Im gestrigen #Medienclub wurde aufgezeigt, wie ein Teil der BLICK-Belegung arbeitet.

Grau: ein Blickreporter, Blau: ein Ortskundiger. Es geht um ein Foto, auf welchem eventuell der Täter zu sehen ist.

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Dass dies nicht geht, muss jeder und jedem klar sein. Auf diese Erpressung angesprochen, meinte Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion Sonntagsblick im #Medienclub, dass dies ein junger Kollege war, dieses Vorgehen gehe selbstverständlich nicht, dies wurde mit dem Reporter inzwischen diskutiert. Sie schiebt es auf den jungen Mitarbeiter, schlechter Stil einer Chefin, so weit, so schlecht. Bei diesem Satz, welchen Murmann süffisant lächelnd über die Lippen brachte, platzte mir der Kragen.

27. Dezember 2014. Es war eine Woche nach der Zuger Landammannfeier. Ich befand mich mit meinem Mann auf der Parteizentrale, die Parteispitze diskutierte mit uns, ob und wie die Partei auf Medienanfragen zur Landammannfeier reagieren soll.

Blinkte ein SMS auf meinem Handy auf. Es war Benny Elsener von der CVP, damals ein ziemlich entfernter Kollege, heute ein guter Freund und inzwischen CVP-Präsident. Er schrieb, dass soeben ein Blickreporter bei ihm anrief, welcher „ziemlich komische Fragen“ stellte. A-ha. Ich leitete das SMS meinem Kommunikationsberater weiter, ich hatte keinen Kopf für solche Dinge. Wenige Stunden vorher hatte ich die erste Besprechung mit meinem Anwalt und realisierte, in welche Situation mich das Zuger Kantonsspital gebracht hatte. Strafverfahren (Offizialdelikt) ohne Beweise, es konnte nur noch schlimmer werden.

Mein Kommunikationsberater rief auf der Sonntagsblick-Redaktion an. Katia Murmann war für den Artikel über mich, mit welchem sie ganz gross fahren wollte, zuständig.

Sie sagte (Achtung!), dass sie die Story bereits beisammen hätte. Mehrere Zuger Kantonsräte hätten ihr gegenüber anonym gesagt, dass sie auch schon mit Jolanda Spiess-Hegglin im Bett waren. Sie wüssten zudem, dass Markus Hürlimann schon länger ihre Affäre war. Denn die Ehe der Familie Spiess sei ohnehin im Eimer. Und Sonntagsblick weiss: Spiess ist schwanger.

Päng.

Sagt mein Berater zu Murmann: „Frau Murmann… nichts davon stimmt.“

Jetzt kommt die Pointe. Frau Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion Sonntagsblick, entgegnete, wenn sie diesen bereits fertiggeschriebenen Artikel nun spüle, müsse sie halt eine Ersatzstory haben. Zum Beispiel ein paar medizinische Details. So zum Beispiel, wie sich das für Frau Spiess angefühlt habe am anderen Morgen, nach dem Aufwachen.

Diese medizinischen Details durfte die Schweiz dann am nächsten Morgen im Sonntagsblick lesen.

Und mir wurde Mediengeilheit nachgerufen. Immer wieder. Der Gipfel des Zynismus. Merci, Frau Murmann.

Ich dachte wirklich lange, ich müsse dieser Frau auch noch dankbar für ihr Entgegenkommen sein. Nicht erst seit dem gestrigen #Medienclub bin ich aber der Meinung, dass sie besser wiedermal in die Weiterbildung gehen würde. Am besten mit integriertem Medienethikkurs.  Es war erpresserischer Drecksjournalismus hoch drei. Und es war nicht der junge Mitarbeiter ohne Berufserfahrung. Es war Frau Murmann herself.

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