Vielleicht kennen Sie das: In den unmöglichsten Situationen hört man ein Lied, welches man nachher nicht mehr los wird. So passierte mir das vor ein paar Tagen morgens in der Badewanne. Ich, noch etwas verschlafen, wurde verzaubert, als SRF3 «Lat Da Chavra» von Curdin Nicolay spielte. Das Lied ist eine Wucht.

Verstanden habe ich den Text allerdings nicht. Curdin Nicolay ist ein Newcomer aus dem Bündnerland und singt «Lat Da Chavra» auf Rätoromanisch. Den Liedtext auf Deutsch habe ich bisher nicht ausfindig machen können, Google kann auch kein Rätoromanisch. Mein Mann sagte, Curdin Nicolay singe, dass man keine Zitrone zur Ziegenmilch hinzufügen soll. Ob das aber stimmt, weiss ich nicht, das wird mir vielleicht eine Freundin aus Celerina sagen können.

So ist mein neues Lieblingslied also ein rätoromanisches, welches ich ohne SRF3 nie im Leben entdeckt hätte. Allein schon dies ist ein Grund, gegen #NoBillag zu sein.

Propaganda und Dauerwerbung

In einem WhatsApp-Videocall unterhielt ich mich vorgestern mit meiner Schwester. Sie lebt im Moment in den USA und verfluchte das amerikanische Fernsehen. Propaganda überall, entweder Pro-Trump oder Anti-Trump. Was dazwischen gibt’s offenbar nicht, es nerve! Und wie sehr sie sich nach einem «Tatort» ohne Werbeunterbrechung sehne.

Die Werbung alle zehn Minuten nehme die Freude am Fernsehen, meinte sie. Und wir sollen ihr unbedingt das Abstimmungscouvert express schicken, damit sie zur Initiative Stellung nehmen könne. Machen wir doch gern.

Berlusconi in Zug

Über die demokratiefeindliche Initiative ist allerlei zu lesen, meine Facebook-Bubble spricht im Moment über nichts anderes. Das ist gut so. Zu gut erinnern wir uns doch noch an eine andere demokratiefeindliche Initiative der SVP, welche mangels Aufklärung tatsächlich gutgeheissen wurde. So was darf nie mehr passieren.

#NoBillag sägt an den Grundpfeilern des Zusammenhaltes der Schweiz. Gerade dass alle vier Landesteile vom Informationsauftrag der SRG profitieren, hat die Demokratie in der Schweiz zu dem gemacht, was sie ist, auf was wir zu Recht stolz sind.

Eigentlich müsste sich gerade auch die freisinnige Mitte von #NoBillag distanzieren. Aber es erstaunt mich nicht, dass ausgerechnet die Geschäftsleitung der Zuger FDP zu dieser Bieridee Ja sagt. Ihrem langjährigen Mitglied und Präsidenten, Andreas Kleeb, sind sie das wohl schuldig. Kleeb, der pünktlich auf den Nationalratswahlkampf 2011 den Zuger Lokalradiosender «Radio Sunshine» kaufte, um ihn dann – ein Jahr später – nach seiner gescheiterten Kandidatur wieder zu verkaufen. Ein Schelm, wer jetzt an Berlusconi denkt.

Unterbrechungen aus dem Studio von TeleBlocher

Wer also die Macht den Männern, welche auf dicke Hose machen, überlassen möchte, stimmt Ja zu #NoBillag. Wer die Vielfalt schätzt und kein Dauer-Teleshopping mit Infounterbrechungen aus dem Studio von TeleBlocher möchte, distanziert sich von #NoBillag, welche mächtige Männer noch mächtiger machen wird.

Gerade haben wir Skiferien im Bündnerland gebucht. Ich bin grad so in der Stimmung, ausserdem muss ich aus diesem erdrückenden Kanton Zug weg, an die frische Luft. Ich bin sicher, dass mir da jemand «Lat da Chavra» übersetzen kann. Viva!