Alle Artikel von Jolanda Spiess

Abschied eines Saubermannes

Das war einmal zuviel, Herr Tännler. Ein Nachtreten zuviel.

Sie werden im heutigen Lokalblatt zitiert, dass Ihre Landammannfeier vor 2 Jahren lässig, schön und äusserst friedlich war und es leider zwei Personen gab, welche die Contenance verloren haben.

Mir fällt auf, wie angestrengt Sie versuchen, Ihre Landammannfeier in ein gutes Licht zu rücken. Wenn Sie diese Feier nochmals thematisieren müssen, dann erlauben Sie mir, dass ich Ihre Wahrnehmung hier & jetzt mit der eigentlichen Pointe des Abends, welche aus unerfindlichen Gründen nie in irgendeiner Zeitung nachzulesen war, ergänze.

Erinnern wir uns an die Laudatio. Ihr Parteifreund und SVP-Sponsor Adrian Risi hatte die Ehre, Ihre Laudatio zu halten. Der eingestreute Witz von einem Schuljungen, welchem die Bedeutung von Schaden, Verlust und Trauer nicht klar war. Der Junge fragte, ob das Velo, welches kaputt ist, ein Trauerfall sei. Nein, dies sei ein Schaden. Ob denn das gestohlene Velo auch ein Schaden sei. Nein, dies sei ein Verlust. Und was denn sei, wenn Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf in eine Lawine gerate und dabei sterbe? «Dann ist es zwar ein Trauerfall, aber kein Schaden und kein Verlust».

An der Laudatio, Herr Tännler.

Ein kleiner Teil des Publikums amüsierte sich. Der grossen Mehrheit blieb jedoch das Lachen im Hals stecken. Einzelne Politiker regten sich dermassen über diese kapitale Geschmacklosigkeit auf, dass sie die Feier vorzeitig verliessen.

Die Rede kreuzte dann noch durch frauenfeindliches Gewässer. Es ging um die Dominanz des Mannes gegenüber der Frau. Entsprechend passte auch das Geschenk von Adrian Risi: eine Peitsche. Fanden Sie diese Laudatio, welche an einem Polterabend vielleicht noch knapp durchgegangen wäre wirklich „lässig und schön“?

Sie können die Stimmung an der Feier natürlich auch weiterhin als „äusserst friedlich“ schönfärben, obwohl es bei der Durchsicht gewisser Protokolle der Strafuntersuchung Teilnehmende gibt, welche dies anders sehen.

Sie können das, was nachher passierte, ihr Leben lang als „Verlieren der Contenance zweier Personen“ herunterspielen. Machen Sie das nur.

Ich wünsche einfach, dass von den Frauen in Ihrem Umfeld nie jemand die „Contenance“ verliert.

 

http://www.zugerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/zug/Beim-Sparen-wissen-es-alle-besser;art9648,927826

Hater (ein offener Brief)

12646983_10208015518323245_1238360963323999337_nBelassen wir es beim Sie. Wir kennen uns nicht. Die wenigsten Menschen kennen mich. Sie haben viel über mich und meine Vergangenheit in der Zeitung oder in den Online-Medien gelesen. Über die Landammannfeier 2014. Sie wissen ganz genau, was sich damals abgespielt hat. Im Gegensatz zu Ihnen weiss ich es bis heute nicht.

Die gängige Form im Titel kann ich so nicht formulieren: “Sehr geehrter Hater” oder “Lieber Hater”? Nein. Wo die Würde des Menschen im Grundsatz unantastbar ist, haben gerade Sie sich dazu entschieden, meine nicht zu wahren. Ich möchte Ihnen dies nicht gleich tun, doch es widerstrebt meinem Naturell, Sie – wenn auch nur in der Form – zu ehren, oder Ihnen gar zuzuschreiben, Sie seien lieb.

Hater, ich möchte Sie einladen. Nein, nicht, um sich auszusprechen. Ich lade Sie ein, Ihre Sicht der Dinge mit meiner Perspektive zu ergänzen.

Wenn Sie Ihr geschriebenes Wort gegen mich richten, liest es sich so, als ob Sie mich kennen würden. Sie scheinen mir glaubhaft darstellen zu wollen, dass Sie mir irgendwo begegnet sind. Sie scheinen nicht zu wissen wo, aber sie meinen, es müsse “früher” gewesen sein. In diesem “früher” seien Sie mit mir intim geworden, was Sie gern im ganz grossen Stil Gleichgesinnten erzählen. Dennoch wissen Sie ganz präzise, dass ich unfickbar bin: Sie nennen mich hässlich. Sie kennen alle meine Präferenzen, restlos, und kommunizieren diese unverblümt.

Es sind so viele Facebooknachrichten und Tweets. Tausende. Sie verfassten und versenden ein paar hundert Briefe per Post an mich, wobei diese fast alle anonym unterzeichnet sind. So sind die letzten 120 ungeöffnet in einem öffentlichen Abfalleimer archiviert worden. Wenn ich allein an das Porto denke, schmerzt mein Sinn für Verhältnismässigkeit.

Nett sind sie nicht, die Botschaften. Sollte ich es neutral formulieren, würde ich schreiben, dass sie entlarvend sind. Dazu später mehr.

Ich schätze sachliche Diskussionen. Aufgrund meiner politischen Arbeit und meiner direkten Art stehe ich häufig Menschen gegenüber, die anderer Meinung sind als ich. Das fordert mich positiv heraus. Ich schätze dabei eine gepflegte Ausdrucksweise, eine differenzierte Wortwahl. Ausdrücke wie “Linke Fotze“ und ”Verfickte Hure“ erscheinen mir in erster Linie als unreif und lassen in mir die Vermutung aufkommen, dass Sie mich nicht konstruktiv kritisieren, sondern einfach nur verletzen wollen. Gepaart mit einer Schreibweise, welche aus jeglichem Rahmen der Rechtschreibung fällt, stellt sich mir die Frage, was Sie mit beispielsweise acht Fragezeichen, Grossbuchstaben und einer roten Schrift ausdrücken wollen. Ich kann mir lediglich vorstellen, es macht das Geschriebene auf eben diese Art wichtig für Sie. Für mich unterstreicht es die Respektlosigkeit, welche Sie mir entgegenzubringen bereit sind. Mir ist bewusst, ich werde nie erfahren, gegen was oder gegen wen sich Ihre Wut eigentlich richtet. Ich habe verinnerlicht, diese nicht persönlich zu nehmen.

Sie sehen, ich denke über ihr Verhalten nach. Und genau dieses Verhalten, nicht Ihre Wut und auch nicht Ihre Person, einzig Ihr Verhalten verurteile ich und verstehe mich dagegen zu wehren.

Ich weiss nicht gerade viel über Sie. Sie arbeiten im Strassenbau. Manchmal sind Sie Berufsschullehrer oder Dr. lic. phil. Sie sind auch schon mal im Ruhestand. Sie decken ein wirklich breites gesellschaftliches Spektrum ab. Was sie meistens alle gemeinsam haben, ist Ihr Geschlecht. Sie sind männlich. Selten machen Ihre weiblichen Parteimitglieder auch mit bei der Hetze, aber ich kann hier klar über eine Minderheit berichten. Bei den Frauen ist der Grund für die Nachricht nicht sexueller Natur, dies schafft eine ganz andere Basis. Frauen schreiben mir jeweils, ich solle still sein und mich um die Kinder kümmern und gefälligst meinem Mann was Schönes kochen zum Abendessen. Ich hätte nichts in der Politik und in der Öffentlichkeit verloren. Ich nehme es zur Kenntnis.

Sie schreiben mich mit Ihrem persönlichen Profil an. So kann ich sehen, wo Sie arbeiten. Konfrontiere ich ihren Arbeitgeber mit Ihren ausserberuflichen Tätigkeiten im virtuellen Leben, äussern Sie, ihr Profil sei gehackt worden, sie hätten einen solchen Text nicht verfasst. Das meinte ich ganz oben im Text mit „entlarvend“. Und dies kommt gehäuft vor.

Meistens überlegen Sie sich nicht besonders viel dabei, wenn Sie mich auf Social Media beschimpfen. Die Nachrichten, welche Sie absetzen, die Facebookeinträge und Tweets, die sind gespeichert, selbst wenn Sie sie löschen.

Als ich klein war, sassen die Proleten am Stammtisch und zogen über die Hexen, respektive die selbstbewussten Frauen, her. Die Frauen waren nicht dabei, weil sich ein solcher Mann nicht gewagt hätte, die Ehre einer Frau so direkt und unmittelbar zu verletzen. Der Rechtsweg war ausgeschlossen. Aber heute, heute ist die Frau vernetzt. Sie hat alle Ehrverletzungen schriftlich, unverblümt und unlöschbar.

Verbale Entgleisungen sind verhältnismässig teuer, wenn man bedenkt, wie schnell sie doch ins Internet getippt sind. Eine „Schlampe“ und ein „Luder“ kosteten einen jungen Mann kürzlich CHF 1’150.— (davon CHF 600.— bedingt). Ein anderer Mann nannte mich „verlogene linke Säuferin, schwer psychisch krank“. Das kostete dann CHF 3’900.— (davon CHF 2’600.— bedingt).

Das schmerzt doch.

Manchmal einige ich mich mit Ihnen in Anwesenheit des Staatsanwaltes auf einen Vergleich. Es wird dann nicht zwingend günstiger für Sie. Sie können sich einzig die Anzeige mit Strafregistereintrag sparen. Was Ihnen aber nicht erspart bleibt, ist der Moment, in welchem Sie am Tisch vis-à-vis sitzen, ganz kleinlaut werden und schwitzend nach Worten ringend eine Entschuldigung von sich geben.

Die Entschädigung, welche Sie in diesen Situationen schuldig werden, spende ich zum grossen Teil. Ein Mann, welcher mich in mehr als 40 Mails mit gefälschten Absendern beleidigt hat, musste eine Summe von CHF 10’000.— überweisen. Eine Frauenorganisation, eine Musikband, mein Anwalt und unsere Familienferien-Kasse konnten das Geld dankend entgegennehmen.

Im Rudel fühlen Sie sich pudelwohl. Einfach draufhauen ist einfacher als Selbsterkenntnis. Es trifft nicht nur mich. Der typische virtuelle Hau-den-Lukas ist jung und weiblich.

So, wie verbleiben wir? Wäre es möglich, dass Sie mich jetzt in Ruhe lassen und Sie mir den Titel aus dem Vorjahr als meistgegoogelte Frau des Landes in diesem Jahr ersparen könnten? Vielleicht stellen Sie zwischendurch das WLAN aus und verlassen Ihre Wohnung, echli an die frische Luft. Vielleicht gehen Sie zum Stammtisch im Dorf und trinken Bier mit Gleichgesinnten. Und vielleicht können Sie ganz anständig bleiben, sachlich argumentieren und keine Frau beleidigen (und bitte nicht die Serviceangestellte begrapschen). Ja, ich kann mir vorstellen, dass das jetzt nicht einfach von heute auf morgen so funktioniert. Aber danke, dass Sie es zumindest mal versuchen.

Und nun ein paar wenige Worte zu mir.

Wissen Sie, während Sie ihrer Wut freien Lauf lassen, plaudere ich im Laden an der Kasse, zeige meinem Kind, wie es die Schuhe binden kann, rede mit der Nachbarin, sehe in die Wolken, sitze im Rat, überlege mir Lösungen zu politischen Fragen, verfasse Texte. Denn ich bin: Mami, Kantonsrätin, Managerin, Autorin, gute Fee, Tochter, Schwiegertochter, Ehefrau, Nervensäge, hartnäckig, nachhaltig, ich stehe in der Öffentlichkeit und vieles mehr.

Und dann lese ich Ihre Zeilen. Bei all dem, was ich bin. Was sie über mich zu wissen glauben, trifft nicht zu. Erst steht die Zeit still. Dann machen mich die Zeilen in roter Schrift, die Fragezeichen in mehrfacher Ausführung und die penetrante Grossschreibung wütend.

Wir sprechen ja gerade über Wut. Als ich mich hingesetzt hatte, um diesen Text zu schreiben, entsprang meiner Feder für wahr ein wütender Text. Dann ging mir die Gleichung auf, dass wir Feuer mit Feuer nicht löschen werden können. Was zurückblieb war sogar ein Verständnis dafür, dass Sie so wütend sind, dass der Frust über die eigene Situation sich auf einen Menschen, auf mich, überträgt.

Und doch bringt mir diese Erfahrung die Erkenntnis, ein solches Verhalten nicht billigen zu können und zu wollen. Kein Geld der Welt kann mir die Zeit, die ich mit Ihnen in dieser Form gezwungen war aufzuwenden, zurückerstatten. Kein Geld der Welt macht den in Worte gepressten Hass ungeschehen.

Was zu guter Letzt zurückbleibt, Hater, ist die Frage, wie wäre Ihre Botschaft an mich, wäre ich ein Mann?

Leben Sie wohl.

Jolanda Spiess-Hegglin

#CounterSpeech – Humor als Waffe.

Nicht schweigen, sondern dagegen anschreiben. Bestenfalls mit Humor und Nettigkeiten – verliere aber nie die Fassung.

Auf Social Media kommt man gegen vergiftete Ideologien und tiefsitzende Vorurteile mit Argumenten oft nicht weiter. Dann kann Humor als #CounterSpeech eingesetzt werden.

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Ich stelle euch meine Sammlung zur Verfügung, welche stets grösser wird. Bitte downloaden. Manche Bilder und Memes sind nur witzig, andere vielleicht auch grenzwertig – setze sie je nach Situation gezielt auf Social Media ein und hilf mit beim #CounterSpeech.

Persönlichkeitsschutz statt Geifern nach Sensationen und Klickzahlen

  1. Der Schweizer Presserat hat meine Beschwerde gutgeheissen.

BLICK hätte am Heiligabend 2014 meinen Namen und mein Foto nicht veröffentlichen dürfen.

Der Presserat sagt deutlich, dass eine identifizierende Berichterstattung bei Themen aus der Intim- und Privatsphäre nicht erlaubt ist, auch nicht bei Politikerinnen und Politikern.

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Wir freuen uns sehr über die Stellungnahme des Presserates.

Es war für mich und meine Familie ein Schock, als ich an Heiligabend 2014 ungefragt auf die Titelseite des BLICKs gehievt wurde. Der Presserat sagt klar und deutlich, dass dies eine Verletzung der medienethischen Richtlinien ist. So darf man nicht mit Menschen umgehen.

Eine Gedankenreise sei erlaubt: Was, wenn sich BLICK damals korrekt verhalten hätte und meinen Namen und mein Bild nicht schweizbekannt geworden wäre?  Was wäre mir und meiner Familie alles erspart geblieben? Wo würde ich heute stehen? 

Ich hoffe sehr, dass diese Stellungnahme des Presserates ihren Platz für künftige Fälle findet. Wir dürfen den Privatsphärenschutz nicht leichtsinnig aufgeben.

#nichtschweigen

Die vollständige Stellungnahme des Presserates kann ab Dienstag, 28, Juni 2016, 12.00 Uhr auf www.presserat.ch heruntergeladen werden.

Sie ist da. Die würdige Aufarbeitung meines Falles. So unverhofft.


Bildschirmfoto 2016-06-08 um 20.38.08Über ein halbes Jahr lang analysierte Radio Pilatus, ein politisch neutrales Regionalradio aus Luzern mit einem jungen Team, die Akten dieser unglaublichen Geschichte.
Sie sprachen mit M.H., der Staatsanwaltschaft, Experten und mir, arbeiteten absolut professionell und vor allem: nicht wertend und nicht voreingenommen.

Das Fazit daraus, in 5 Teilen, findet ihr unter dem Link weiter unten oder auch unter www.radiopilatus.ch. Es schnürte mir regelmässig den Hals zu, so lange habe ich auf eine würdige Aufarbeitung des Falles gewartet. Jetzt ist sie da. So unverhofft.

Kennt ihr das Gefühl, dass einem plötzlich Tränen in die Augen schiessen? Es ist Erleichterung. Nach den gefühlten Tausend BLICK-Schlagzeilen, welche mich tief in meinem Innern wie Messerstiche getroffen haben. Es ist Hoffnung. In was auch immer. Danke euch fürs Lesen und Weiterverbreiten.

https://www.radiopilatus.ch/artikel/142222/die-akten-zur-zuger-sexaffaere

Kein junger Kollege. Frau Murmann herself.

#Rupperswil. Wie hab ich mich aufgeregt. Bringt das Revolverblatt BLICK am Tag 2 schon den Namen des Täters mit unverpixeltem Bild. Und Wohnhaus. Und Lageplan, wo das Wohhaus steht. Und Hobbies. Und dass er beim Gassigehen mit seinem Hund stets Kopfhörer getragen hat.

Wer um Himmels Willen muss das so genau wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Leser auf diese Informationen wartet. Und doch sagt Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion des Sonntagsblick gestern im #Medienclub auf SRF, es seien die Konsumenten, welche das wollen und schlussamend auch Schuld seien an der Missachtung des Persönlichkeitsschutzes des Täters. Und ganz wichtig: auch des Schutzes seiner Familie. Prima rausgeredet.

Im gestrigen #Medienclub wurde aufgezeigt, wie ein Teil der BLICK-Belegung arbeitet.

Grau: ein Blickreporter, Blau: ein Ortskundiger. Es geht um ein Foto, auf welchem eventuell der Täter zu sehen ist.

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Dass dies nicht geht, muss jeder und jedem klar sein. Auf diese Erpressung angesprochen, meinte Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion Sonntagsblick im #Medienclub, dass dies ein junger Kollege war, dieses Vorgehen gehe selbstverständlich nicht, dies wurde mit dem Reporter inzwischen diskutiert. Sie schiebt es auf den jungen Mitarbeiter, schlechter Stil einer Chefin, so weit, so schlecht. Bei diesem Satz, welchen Murmann süffisant lächelnd über die Lippen brachte, platzte mir der Kragen.

27. Dezember 2014. Es war eine Woche nach der Zuger Landammannfeier. Ich befand mich mit meinem Mann auf der Parteizentrale, die Parteispitze diskutierte mit uns, ob und wie die Partei auf Medienanfragen zur Landammannfeier reagieren soll.

Blinkte ein SMS auf meinem Handy auf. Es war Benny Elsener von der CVP, damals ein ziemlich entfernter Kollege, heute ein guter Freund und inzwischen CVP-Präsident. Er schrieb, dass soeben ein Blickreporter bei ihm anrief, welcher „ziemlich komische Fragen“ stellte. A-ha. Ich leitete das SMS meinem Kommunikationsberater weiter, ich hatte keinen Kopf für solche Dinge. Wenige Stunden vorher hatte ich die erste Besprechung mit meinem Anwalt und realisierte, in welche Situation mich das Zuger Kantonsspital gebracht hatte. Strafverfahren (Offizialdelikt) ohne Beweise, es konnte nur noch schlimmer werden.

Mein Kommunikationsberater rief auf der Sonntagsblick-Redaktion an. Katia Murmann war für den Artikel über mich, mit welchem sie ganz gross fahren wollte, zuständig.

Sie sagte (Achtung!), dass sie die Story bereits beisammen hätte. Mehrere Zuger Kantonsräte hätten ihr gegenüber anonym gesagt, dass sie auch schon mit Jolanda Spiess-Hegglin im Bett waren. Sie wüssten zudem, dass Markus Hürlimann schon länger ihre Affäre war. Denn die Ehe der Familie Spiess sei ohnehin im Eimer. Und Sonntagsblick weiss: Spiess ist schwanger.

Päng.

Sagt mein Berater zu Murmann: „Frau Murmann… nichts davon stimmt.“

Jetzt kommt die Pointe. Frau Katia Murmann, Mitglied der Chefredaktion Sonntagsblick, entgegnete, wenn sie diesen bereits fertiggeschriebenen Artikel nun spüle, müsse sie halt eine Ersatzstory haben. Zum Beispiel ein paar medizinische Details. So zum Beispiel, wie sich das für Frau Spiess angefühlt habe am anderen Morgen, nach dem Aufwachen.

Diese medizinischen Details durfte die Schweiz dann am nächsten Morgen im Sonntagsblick lesen.

Und mir wurde Mediengeilheit nachgerufen. Immer wieder. Der Gipfel des Zynismus. Merci, Frau Murmann.

Ich dachte wirklich lange, ich müsse dieser Frau auch noch dankbar für ihr Entgegenkommen sein. Nicht erst seit dem gestrigen #Medienclub bin ich aber der Meinung, dass sie besser wiedermal in die Weiterbildung gehen würde. Am besten mit integriertem Medienethikkurs.  Es war erpresserischer Drecksjournalismus hoch drei. Und es war nicht der junge Mitarbeiter ohne Berufserfahrung. Es war Frau Murmann herself.

Nein heisst nein. Ehrlich.

Samstagnacht in einem Zuger Club.

War da einer, kaum über 20-jährig, welcher mir ein Glas mit einem Getränk entgegenstreckte.

IMG_5340Ich: „Nein danke.“

Er: „Doch, nimm.“ 

Ich: „Nein danke, ehrlich.“

Er, ginsend: „Es hat im Fall keine K.O.-Tropfen drin.“

Stille (ausser den 100 Dezibel aus den Musikboxen).

Was dann passierte, war ein Reflex. 

Ich schüttete ihm meinen noch halbvollen Becher Cola ins Gesicht. 

(Man darf sich das jetzt in Slow-Motion vorstellen.)

Worauf er versuchte, das für mich bestimmte Getränk ebenfalls in meine Richtung zu schütten, da er sich aber so ungeschickt anstellte, zerbrach der Plastikbecher in seinen Händen und das Getränk setzte sich auf seiner Hose fest. Was auch immer im Becher drin war.

Ich ging zurück auf die Tanzfläche, er offensichtlich nach Hause. So weit, so gut. Da meine Schwester beim DJ erfolgreich „W.Nuss vo Bümpliz“ durchbrachte, konnte dieser Vorfall meiner Stimmung nichts antun. Bedenklich ist er aber allemal. 

Ein Nein ist ein Nein. Ehrlich. Eigentlich ist schon einfach nichts sagen ein Nein. 

Es war der Polterabend meiner Schwester. Wir taten dies recht unaufgeregt, gingen zu fünfzehnt ins Türkische Bad Hamam und liessen uns dann vom Pizzakurier etwas auf die Wiese liefern. Wir waren, für alle offensichtlich zu erkennen, eine Gruppe Frauen, absolut auf uns selbst fokussiert. Soweit, in Zürich, kein Problem. Als wir uns dann, zurück in Zug, in diesem Club einfanden, änderte sich alles. 

Noch zu zehnt, feierten wir, tanzten, tranken Bier oder auch nur Cola oder Mineral. 

Im Ausgang Leute kennenlernen ist toll. Wenn die Männer aber ihr Gegenüber gleich anfassen müssen, geht das zu weit. 

Im Minutentakt haben wir selbstverliebte Typen weggeschickt. 

Ich setzte jeweils meinen Killerblick auf oder machte eine Handbewegung, im Sinne von „Gsch-gsch, weg da“. Nicht wenige von ihnen wurden dann aggressiv. Beschimpften uns oder fanden, wir hätten kein Niveau. Auch ein „Schlampe“ bekam ich zu hören. 

Manchmal frage ich mich, ob diese Typen bei einer Jobabsage den Chef auch gleich „Wixer“ schimpfen.

Vielleicht sei hier noch erwähnt, dass ich den Polterabend organisierte und mich auch mehr oder weniger verantwortlich für einen Teil der Frauengruppe fühlte. Ich selbst trank wenig, wechselte nach Mitternacht zu alkoholfrei. 

Ich realisierte, dass die Hemmschwelle gegenüber Frauen, ob angetrunken oder nicht, nicht da war.

Wäre es eine normale Samstagnacht gewesen, hätte ich mich vielleicht aufgeregt und das Lokal gewechselt. Doch es war der Polterabend meiner Schwester. In 10 Tagen findet ihre Hochzeit statt. Das sprach sich im Club rum. Wir wollten einfach mit ihr feiern. Ausgelassen und mit Bier. 

Und so erschreckend viele Typen fassten das als Freifahrschein auf und wollten die Gunst der Stunde nutzen. 

Bestimmt war es früher auch so. Ich habe es einfach nicht realisiert oder halt als normal angesehen. Es ist aber nicht normal. 

Ein Nein ist ein Nein. Eigentlich ist schon einfach nichts sagen ein Nein. Ehrlich.

Abriss einer Psychoanalyse

Es kommt auch vor, dass ich hier Artikel aus Newsportalen poste, wie eben jetzt, danke Zentralplus.ch:

«Es ist ein Vergnügen, Spiess-Hegglin fertigzumachen»

Jolanda Spiess-Hegglin war letztes Jahr eine der meistgegoogelten Personen in der Schweiz. Das Interesse am Zuger Skandal und insbesondere an der Zuger Politikerin scheint unermesslich zu sein. Warum ist diese Faszination so riesig? Und warum die Wut auf Jolanda Spiess-Hegglin so gross? Der Psychoanalytiker Markus Fäh erklärts.

Bildschirmfoto 2016-03-24 um 19.21.51http://www.zentralplus.ch/de/news/gesellschaft/5330490/«Es-ist-ein-Vergnügen-Spiess-Hegglin-fertigzumachen».htm

Wie man eine Genugtuung sinnvoll investiert :)

Der Mann, welcher mich im letzten Jahr mit perversen Mails belästigte, musste mir Fr. 6’000.– plus Anwaltskosten als Genugtuung überweisen. 1935376_819213278205397_6368667616282178721_n
Ich gehe ganz bewusst offensiv damit um, ihr wisst warum.

Wie versprochen, lege ich hier auch offen, wohin ich das Geld spendete.

Fr. 2’000.– gingen an Terre des Femmes Schweiz.

Fr. 2’000.– gehen an ein Kultur- resp. Musikprojekt einer Zuger Band.

Mit den restlichen 2’000.– wurden soeben 2 Wochen All-Inn-Ferien für Familie Spiess gebucht. Die Kinder durften Destination und Hotel wählen. Wasserpark und Glacé rund um die Uhr. Wir freuen uns riesig!